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Lochleibung berechnen: Formel, Grenzwerte und Online-Rechner

Bei jeder Bolzen-, Stift- oder Nietverbindung stellt sich dieselbe Frage: Hält die Bohrungswand dem Druck des Verbindungselements stand? Genau das beschreibt die Lochleibung – eine der wichtigsten und in der Praxis am häufigsten unterschätzten Größen im Maschinenbau und Vorrichtungsbau. Wird sie falsch ausgelegt, verformt sich die Bohrung dauerhaft, das Bauteil bekommt Spiel und die Verbindung wird unbrauchbar, lange bevor das Verbindungselement selbst versagt. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie den entscheidenden Festigkeitsnachweis korrekt führen, welche Grenzwerte gelten und wie Sie das Ergebnis in wenigen Sekunden mit unserem kostenlosen Online-Rechner ermitteln.

Technik-Rechner

Lochleibung berechnen

Lochleibungsnachweis für Schraub- und Bolzenverbindungen nach EN 1993-1-8 (Eurocode 3). Geometrie eingeben, Ergebnis erscheint sofort und live.

Blechgeometrie
mm

Dicke des dünneren, kraftübertragenden Blechs (maßgebend für Lochleibung).

mm

Bohrungsdurchmesser (i.d.R. Schraubendurchmesser + 1–2 mm Spiel).

Anzahl kraftübertragender Schrauben

Anzahl der Schrauben, die die Kraft F gleichmäßig übertragen.

Nur informativ – Lochleibung wird je Blech/Kontaktfläche geprüft.

Blechwerkstoff
S235 (fu = 360 N/mm²)
S355 (fu = 490 N/mm²)
S460 (fu = 550 N/mm²)
N/mm²

Wird durch Auswahl oben automatisch gesetzt, ist aber frei editierbar.

Empfohlener Wert nach EN 1993-1-8: 1,25.

Schraube / Bolzen
Klasse 4.6 (400 N/mm²)
Klasse 5.6 (500 N/mm²)
Klasse 8.8 (800 N/mm²)
Klasse 10.9 (1000 N/mm²)
mm
N/mm²
Rand- und Lochabstände
mm
mm
mm
mm

e₁, p₁ = Abstände in Kraftrichtung · e₂, p₂ = Abstände quer zur Kraftrichtung, gemessen von Lochmitte zu Lochmitte bzw. Lochmitte zum Blechrand.

Einwirkende Last
kN

Gesamte Schnittkraft, wird gleichmäßig auf n Schrauben verteilt.

Ergebnis — live berechnet

–
Werte eingeben, um den Nachweis zu sehen.
αb
–
k₁
–
Fb,Rd je Schraube
–
Gesamtwiderstand n·Fb,Rd
–
Berechnungsweg (EN 1993-1-8, Tab. 3.4):
αb = min( e₁/(3·d₀) bzw. p₁/(3·d₀) − 0,25 ; fub/fu ; 1,0 )
k₁ = min( 2,8·e₂/d₀ − 1,7 bzw. 1,4·p₂/d₀ − 1,7 ; 2,5 )
Fb,Rd = k₁ · αb · fu · d · t / γM2
Auslastung = FEd / (n · Fb,Rd)

Auslegung nicht ganz eindeutig?

Unser Team unterstützt bei der Auswahl von Spannmitteln und Vorrichtungen für Ihre Anwendung – inklusive Prüfung der Verbindungsgeometrie.

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Dieser Rechner dient der überschlägigen technischen Orientierung nach EN 1993-1-8 (Eurocode 3, Tabelle 3.4) und ersetzt keine geprüfte statische Berechnung durch eine Fachplanerin bzw. einen Fachplaner. Alle Angaben ohne Gewähr. Für sicherheitsrelevante oder normativ nachweispflichtige Anwendungen ist stets eine Prüfung durch qualifiziertes Fachpersonal erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lochleibung?

Als Lochleibung – häufig auch als Lochleibungsdruck oder Flächenpressung bezeichnet – wird die Druckbeanspruchung zwischen der zylindrischen Mantelfläche eines Bolzens, Stifts oder Niets und der Wand der zugehörigen Bohrung bezeichnet. Anders als beim Abscherquerschnitt, bei dem die Kraft senkrecht durch den Querschnitt des Verbindungselements wirkt, wird hier die Kontaktfläche zwischen Bolzen und Bauteil auf Druck beansprucht. Diese Fläche wird nicht als gekrümmte Zylindermantelfläche, sondern vereinfacht als projizierte Rechteckfläche angesetzt – das Produkt aus Bolzendurchmesser und tragender Blech- oder Nabendicke. Diese Vereinfachung hat sich in der Praxis bewährt und liegt sowohl dem klassischen Maschinenbau-Nachweis als auch den Regelungen im Stahlbau nach Eurocode 3 (DIN EN 1993-1-8) zugrunde. Der Effekt selbst tritt überall dort auf, wo ein zylindrisches Element eine Querkraft über eine Bohrung in ein Bauteil einleitet – von der einfachen Gelenkverbindung bis zur hochbelasteten Spannvorrichtung.

Formel zur Berechnung der Lochleibung

Die Berechnung selbst ist unkompliziert, sobald die wirkende Kraft und die Geometrie bekannt sind. Der Flächenpressungswert p (auch σL genannt) ergibt sich aus der Querkraft F, geteilt durch die projizierte Fläche aus Bolzendurchmesser d und tragender Wanddicke s:

p = F / (d · s)

bei mehreren Bolzen/Nieten:
p = F / (d · s · n)

Dabei ist F die zu übertragende Querkraft in N, d der Durchmesser von Bolzen bzw. Bohrung in mm, s die kleinste Summe der Blechdicken in Kraftrichtung in mm und n die Anzahl der lasttragenden Bolzen oder Niete. Bei einer Gabel-Stangen-Verbindung mit zwei Laschen wird die Fläche entsprechend verdoppelt, da die Kraft über zwei Kontaktflächen abgetragen wird. Der berechnete Wert muss anschließend gegen die zulässige Flächenpressung des schwächeren Werkstoffs – meist das Blech- oder Gehäusematerial, seltener der Bolzen selbst – geprüft werden.

Rechenbeispiel aus der Praxis

Ein Bolzen mit d = 12 mm überträgt eine Querkraft F = 8.000 N durch ein Blech mit einer tragenden Dicke s = 6 mm. Die projizierte Fläche beträgt somit 12 mm × 6 mm = 72 mm². Der resultierende Pressdruck liegt bei p = 8.000 N / 72 mm² ≈ 111 N/mm². Bei einem Bauteil aus Baustahl S235 mit einem zulässigen Wert von etwa 150–220 N/mm² ist die Verbindung damit ausreichend dimensioniert – bei Aluminium mit zulässigen Werten von nur 80–150 N/mm² wäre der Nachweis dagegen bereits kritisch und würde einen größeren Durchmesser oder eine dickere Wandung erfordern. Genau dieser Vergleich zwischen rechnerischem und zulässigem Wert entscheidet in der Praxis über die endgültige Dimensionierung.

Warum dieser Nachweis oft entscheidender ist als die Abscherung

In der Auslegungspraxis wird häufig zuerst der Abscherquerschnitt des Bolzens geprüft, weil er einfacher zu berechnen erscheint. In vielen Fällen ist jedoch nicht die Abscherung, sondern die Flächenpressung an der Bohrungswand der limitierende Faktor – insbesondere bei dünnen Blechen, weichen Werkstoffen oder Aluminiumkonstruktionen. Ein Bolzen kann rechnerisch gegen Abscheren ausreichend dimensioniert sein und trotzdem zu Ausleiern der Bohrung führen, wenn die tragende Wanddicke zu gering ist. In der Fachliteratur wird dieser Effekt häufig anhand von Vergleichsrechnungen gezeigt, bei denen der Pressdruck bereits zu 100 % ausgenutzt ist, während der Bolzen selbst gegen Abscheren nur zu etwa 20–25 % beansprucht wird. Aus diesem Grund gehört der Nachweis der Flächenpressung neben Abscherung und Biegung zu den drei Standardnachweisen jeder Bolzen- oder Stiftverbindung und sollte nie übersprungen werden, auch wenn er auf den ersten Blick unkritisch wirkt.

Flächenpressung im Vorrichtungsbau und bei Spannmitteln

Besonders im Vorrichtungsbau und bei der Auslegung von Spannmitteln spielt dieser Nachweis eine zentrale Rolle, da Bolzen, Passstifte und Führungselemente hier häufig hohen Wechsellasten ausgesetzt sind. Eine zu gering dimensionierte Kontaktfläche führt langfristig zu Spiel in der Führung, ungenauer Wiederholgenauigkeit und im schlimmsten Fall zu Ausschuss in der Fertigung. Wer Aufnahmen, Anschläge oder Positionierbolzen für Spannvorrichtungen konstruiert, sollte die Flächenpressung deshalb ebenso selbstverständlich prüfen wie die Spannkraft selbst – gerade weil kleine Bohrungsdurchmesser bei kompakten Vorrichtungen die tragende Fläche zusätzlich verringern und den kritischen Wert schneller erreichen, als es auf den ersten Blick erscheint.

Zulässige Werte für die Flächenpressung

Wie hoch der Pressdruck ausfallen darf, hängt stark vom eingesetzten Werkstoff und dem gewählten Sicherheitskonzept ab. Die folgende Übersicht zeigt typische Richtwerte, wie sie in der einschlägigen Fachliteratur für ruhende Belastung genannt werden. Für eine verbindliche Auslegung sind stets die aktuellen Werkstoffkennwerte des Herstellers sowie die geltende Norm – etwa DIN EN 1993-1-8 im Stahlbau oder herstellerspezifische Freigaben im Maschinenbau – heranzuziehen.

Werkstoff Zulässige Flächenpressung (Richtwert) Typische Anwendung
Baustahl S235 ca. 150–220 N/mm² Stahlkonstruktionen, Vorrichtungsbau
Baustahl S355 ca. 220–320 N/mm² Maschinenrahmen, hochbelastete Bolzenverbindungen
Aluminiumlegierungen ca. 80–150 N/mm² Leichtbaukomponenten, Gehäuse
Grauguss (GG/GJL) ca. 60–100 N/mm² Maschinenbetten, Gehäuseteile

Historisch wurde die zulässige Druckspannung bei genieteten Stahlkonstruktionen um 1900 mit rund 140 N/mm² angesetzt – ein Wert, der die konservative Grundhaltung dieses Nachweises bis heute widerspiegelt und zeigt, wie lange dieses Berechnungsprinzip bereits im Einsatz ist.

Schritt für Schritt zum richtigen Ergebnis

  1. Kraft ermitteln: Bestimmen Sie die maximal auftretende Querkraft F an der Verbindung.
  2. Geometrie festlegen: Notieren Sie Bolzendurchmesser d sowie die tragende Wanddicke s.
  3. Anzahl der Bolzen berücksichtigen: Bei mehreren lasttragenden Elementen die Anzahl n einbeziehen.
  4. Flächenpressung berechnen: p = F / (d · s · n) ermitteln – manuell oder per Online-Rechner.
  5. Mit Grenzwert vergleichen: Ergebnis gegen die zulässige Flächenpressung des Werkstoffs prüfen.
  6. Sicherheit bewerten: Bei Überschreitung Durchmesser, Wanddicke oder Bolzenanzahl anpassen.

Häufige Fehler bei der Berechnung

In der Praxis führen vor allem vier Fehlerquellen zu falschen Ergebnissen. Erstens wird oft die falsche Blechdicke angesetzt, weil nicht die kleinste Summe in Kraftrichtung, sondern eine beliebige Wanddicke verwendet wird. Zweitens wird bei Gabel-Stangen-Verbindungen vergessen, die Fläche auf beiden Laschen zu berücksichtigen, wodurch die Belastung um das Doppelte unterschätzt wird. Drittens wird dieser Nachweis teils komplett übersprungen, weil ausschließlich die Abscherfestigkeit geprüft wird – ein Vorgehen, das gerade bei weichen Werkstoffen zu unterdimensionierten Verbindungen führen kann. Viertens wird häufig mit dem Nenndurchmesser des Bolzens statt mit dem tatsächlichen Bohrungsdurchmesser gerechnet, was bei Spielpassungen zu einer leicht zu optimistischen Flächenannahme führt und das Ergebnis verfälscht.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter Lochleibung?

Lochleibung bezeichnet die Flächenpressung zwischen der Mantelfläche eines Bolzens, Stifts oder Niets und der Wand der aufnehmenden Bohrung. Sie entsteht, wenn eine Querkraft über die Verbindung übertragen wird, und wird anhand der projizierten Kontaktfläche berechnet.

Wie berechnet man den Lochleibungsdruck von Hand?

Die Formel lautet p = F / (d · s), wobei F die Querkraft, d der Bolzendurchmesser und s die tragende Wanddicke ist. Bei mehreren Bolzen wird zusätzlich durch die Anzahl n dividiert.

Welcher Wert gilt als zulässig?

Das hängt vom Werkstoff ab: Für Baustahl S235 liegen die Richtwerte bei rund 150–220 N/mm², für Aluminium deutlich niedriger. Maßgeblich sind immer die Werkstoffkennwerte des Herstellers und die anzuwendende Norm.

Was passiert, wenn der Grenzwert überschritten wird?

Wird die zulässige Flächenpressung überschritten, verformt sich die Bohrungswand plastisch. Die Bohrung leiert aus, die Verbindung bekommt Spiel und verliert ihre Passgenauigkeit – ein Effekt, der sich mit der Zeit durch wechselnde Belastungen weiter verstärkt.

Kann ich die Flächenpressung online berechnen?

Ja – unser kostenloser Online-Rechner ermittelt den Pressdruck nach Eingabe von Kraft, Durchmesser und Wanddicke automatisch und zeigt sofort an, ob der Grenzwert eingehalten wird.

Ob im Vorrichtungsbau, bei Bolzenverbindungen an Spannmitteln oder in klassischen Stahlkonstruktionen: Die Flächenpressung entscheidet mit darüber, ob eine Verbindung dauerhaft spielfrei und sicher bleibt. Mit dem passenden Rechenweg und einem zuverlässigen Online-Rechner lässt sich der Nachweis in wenigen Minuten führen – ganz ohne aufwendige Handrechnung und mit einem verlässlichen Blick auf alle relevanten Grenzwerte.

Hinweis: Die genannten Richtwerte und Berechnungen dienen der orientierenden Vorauslegung und ersetzen keine normgerechte Festigkeitsberechnung durch eine Fachkraft. Für sicherheitsrelevante Bauteile sind stets die geltenden Normen (z. B. DIN EN 1993-1-8) sowie die Werkstoffkennwerte des Herstellers verbindlich heranzuziehen.