Kennzeichnung Schrauben: Normen & Codes
Wer im Maschinenbau, in der Konstruktion oder im Vorrichtungsbau mit Verbindungselementen arbeitet, kommt an einer Frage nicht vorbei: Welche Angaben stehen eigentlich auf dem Schraubenkopf und was sagen sie über die Belastbarkeit aus? Die Kennzeichnung Schrauben ist genau dafür gemacht – sie macht Festigkeit, Werkstoff und Hersteller auf einen Blick erkennbar, ohne dass eine Schraube extra vermessen oder eingeschmolzen werden muss. In diesem Artikel erklären wir, wie die Kennzeichnung Schrauben nach Norm aufgebaut ist, welche Zahlen und Zeichen dabei eine Rolle spielen und warum das Thema auch bei der Werkstückspannung mit Vorrichtungen wie SI-MON direkt praxisrelevant wird.
Inhaltsverzeichnis
- SI-MON Spannvorrichtungen
- Was bedeutet die Kennzeichnung auf Schrauben?
- Festigkeitsklassen nach DIN EN ISO 898-1 lesen
- Herstellerkennzeichen und Kopfaufdruck
- Festigkeitsklassen bei Muttern
- Sonderfall: Edelstahlschrauben nach ISO 3506
- Internationale Normen: Unterschiede zur europäischen Kennzeichnung
- Warum die Kennzeichnung Schrauben auch im Vorrichtungsbau zählt
- Häufig gestellte Fragen zur Kennzeichnung Schrauben
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Was bedeutet die Kennzeichnung auf Schrauben?
Die Kennzeichnung Schrauben ist in Europa über die Norm DIN EN ISO 898-1 geregelt. Sie legt fest, welche Schraubentypen ab welchem Durchmesser markiert werden müssen und welche Informationen dabei mindestens aufgebracht werden. Konkret betrifft die Kennzeichnungspflicht Sechskantschrauben der Festigkeitsklassen 4.6 bis 12.9 sowie Zylinderschrauben mit Innensechskant oder Innensechsrund der Klassen 8.8 bis 12.9 – jeweils ab einem Gewindedurchmesser von 5 mm, sofern die Kopfform genügend Platz für eine Prägung bietet. Bei kleineren Abmessungen ist eine direkte Markierung oft nicht möglich; hier finden sich die Angaben stattdessen auf der Verpackung oder im Lieferschein.
Zwei Angaben sind für die Praxis besonders wichtig: die Festigkeitsklasse und das Herstellerkennzeichen. Beide zusammen sorgen dafür, dass eine Schraube auch nach dem Einbau noch eindeutig zurückverfolgt werden kann – ein Punkt, der gerade bei sicherheitsrelevanten Verbindungen im Vorrichtungs- und Anlagenbau nicht unterschätzt werden sollte.

SI-MON Montagevorrichtung: Beim Fixieren von Werkstücken zählt neben der Spannkraft auch die richtig gelesene Kennzeichnung der verwendeten Schrauben.
Festigkeitsklassen nach DIN EN ISO 898-1 lesen
Das Herzstück der Kennzeichnung Schrauben ist die Festigkeitsklasse. Sie wird als zweistelliges Zahlenpaar angegeben, zum Beispiel 8.8 oder 10.9. Der Punkt trennt dabei zwei Werte mit jeweils eigener Bedeutung:
- Erste Zahl × 100 ergibt die Zugfestigkeit Rm in N/mm².
- Erste Zahl × zweite Zahl × 10 ergibt die Streckgrenze Re bzw. die 0,2-%-Dehngrenze Rp0,2 in N/mm².
Bei einer Schraube der Klasse 8.8 ergibt sich daraus eine Zugfestigkeit von 800 N/mm² und eine Streckgrenze von 640 N/mm². Die folgende Tabelle zeigt die gängigsten Klassen im Überblick:
| Festigkeitsklasse | Zugfestigkeit Rm (N/mm²) | Streckgrenze Re (N/mm²) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| 4.6 | 400 | 240 | Gering belastete Verbindungen |
| 5.6 | 500 | 300 | Standardanwendungen |
| 6.8 | 600 | 480 | Mittlere Belastung |
| 8.8 | 800 | 640 | Maschinenbau, Vorrichtungsbau |
| 10.9 | 1000 | 900 | Hochbelastete Stahlverbindungen |
| 12.9 | 1200 | 1080 | Höchstbeanspruchte Bauteile |
Wichtig: Schrauben der Klasse 12.9 sind in der Regel nicht für feuerverzinkte Oberflächen zugelassen, da der Beschichtungsprozess zu Wasserstoffversprödung führen kann. Auch das ist ein Punkt, der bei der Kennzeichnung Schrauben indirekt mitgedacht werden muss – wer die Klasse kennt, erkennt solche Einschränkungen sofort.
Reduzierte Belastbarkeit: die führende Null
Nicht jede Schraube mit dem Code 8.8 darf voll ausgelastet werden. Lässt die Kopfgeometrie – etwa bei sehr flachen oder dünnwandigen Köpfen – die volle Festigkeit nicht zu, wird dies durch eine führende Null gekennzeichnet: aus 8.8 wird 08.8, aus 10.9 wird 010.9. Diese Schrauben benötigen reduzierte Anziehdrehmomente, was bei der Drehmomentvorgabe in der Montage unbedingt berücksichtigt werden muss.
Herstellerkennzeichen und Kopfaufdruck
Neben der Festigkeitsklasse gehört zur vollständigen Kennzeichnung Schrauben immer auch das Herstellerkennzeichen – ein eigenes, beim zuständigen Normungsgremium registriertes Kürzel oder Symbol. Ein typischer Kopfaufdruck sieht dann so aus: „ABCD 8.8″ bei einer Sechskantschraube oder „XYZ 10.9″ bei einer Zylinderschraube mit Innensechskant. Die Position der Prägung ist ebenfalls geregelt:
- Bei Sechskantschrauben vorzugsweise auf der Kopfoberseite.
- Bei Zylinderschrauben auf dem Kopf oder der Stirnfläche, je nach verfügbarem Platz.
- Bei Stiftschrauben ab Festigkeitsklasse 5.6 und Durchmesser ≥ 5 mm auf der Kuppe des Gewindeendes – bei Stiftschrauben mit Festsitzgewinde auf der Kuppe des Mutternendes.
Diese Rückverfolgbarkeit ist kein Selbstzweck: Kommt es zu einem Schadensfall, lässt sich über Herstellerzeichen und Chargennummer exakt nachvollziehen, aus welcher Produktion die Schraube stammt. Für Qualitätssicherung und Reklamationsmanagement ist eine saubere Kopf- und Herstellermarkierung damit ein handfester Vorteil.
Festigkeitsklassen bei Muttern
Auch Muttern tragen eine Kennzeichnung – allerdings nur eine einzelne Zahl (5, 6, 8, 10 oder 12) statt des Zahlenpaars bei Schrauben. Als Faustregel gilt: Die Mutternklasse sollte der ersten Ziffer der Schraubenklasse entsprechen oder knapp darunter liegen. Eine Mutter der Klasse 10 passt damit zu einer Schraube der Klasse 10.9, eine höherwertige Mutter kann grundsätzlich eine niedrigere Klasse ersetzen. Wird dieser Zusammenhang ignoriert, kann bei hoher Vorspannkraft das Gewinde der Mutter beschädigt werden, bevor die Schraube ihre Grenzlast erreicht.
Sonderfall: Edelstahlschrauben nach ISO 3506
Für nichtrostende Schrauben gilt ein eigenes Kennzeichnungssystem nach DIN EN ISO 3506-1, da die Festigkeitswerte von legiertem Stahl abweichen. Üblich sind hier die Kombinationen aus Werkstoffgruppe und Festigkeitsklasse, etwa A2-70 oder A4-80:
- A2 – austenitischer Stahl, geeignet für Innenanwendungen und normale Außenbedingungen.
- A4 – zusätzlich molybdänlegiert, beständig gegen Salzwasser, Chlor und aggressive Medien.
- Die angehängte Zahl (z. B. 70 oder 80) gibt die Zugfestigkeit in Zehnerschritten von 100 N/mm² an.
Wer also „A4-80″ auf einer Schraube liest, weiß sofort: hochlegierter, seewasserbeständiger Edelstahl mit 800 N/mm² Zugfestigkeit.
Internationale Normen: Unterschiede zur europäischen Kennzeichnung
Wer mit internationalen Zulieferern oder US-amerikanischen Anlagen arbeitet, trifft gelegentlich auf ein anderes System: die SAE J429. Hier werden Schrauben nicht mit einem Zahlenpaar, sondern mit sogenannten „Grades“ klassifiziert – üblich sind Grade 1, Grade 2, Grade 5, Grade 5.2 und Grade 8. Die Markierung erfolgt über radiale Kerben oder Striche auf dem Schraubenkopf statt über eine Zahlenprägung
| SAE-Grade | Kennzeichnung am Kopf | Vergleichbare DIN-Klasse (näherungsweise) |
|---|---|---|
| Grade 2 | Keine Markierung | ~4.6 |
| Grade 5 | 3 radiale Striche | ~8.8 |
| Grade 8 | 6 radiale Striche | ~10.9 |
Diese Werte sind nur grobe Näherungen, da sich die Prüfverfahren und Werkstoffnormen zwischen ISO und SAE unterscheiden. Für den praktischen Einsatz gilt deshalb: Schrauben nach DIN EN ISO 898-1 und nach SAE J429 sollten nicht ohne Rücksprache mit dem Konstrukteur gegeneinander ausgetauscht werden, selbst wenn die Kopfprägung auf den ersten Blick ähnlich aussieht. Wer international beschafft, sollte die jeweilige Kopfmarkierung also immer zusammen mit dem Lieferschein oder Werkszeugnis prüfen, um Verwechslungen zwischen den Systemen zu vermeiden.
Dokumentation und Rückverfolgbarkeit in der Praxis
In vielen Betrieben wird die Schraubenkennzeichnung heute zusätzlich digital dokumentiert – etwa über Chargenprotokolle, Werkszeugnisse nach DIN EN 10204 oder interne Wareneingangsprüfungen. Besonders bei sicherheitsrelevanten Baugruppen empfiehlt es sich, die abgelesene Festigkeitsklasse, das Herstellerzeichen und gegebenenfalls die Chargennummer im Prüfprotokoll festzuhalten. So bleibt auch Jahre nach der Montage nachvollziehbar, welche Schraube an welcher Stelle verbaut wurde – ein Aufwand, der sich im Schadensfall oder bei einer Rückrufaktion schnell auszahlt.
Warum die Kennzeichnung Schrauben auch im Vorrichtungsbau zählt
In der Praxis bei JuS Spanntechnik zeigt sich immer wieder, wie eng Schraubenkennzeichnung und Spanntechnik zusammenhängen. Werkstücke, die in Montage- und Spannvorrichtungen wie den SI-MON Systemen bis 60 kg fixiert werden, hängen oft direkt an Schraubverbindungen – sei es beim Aufbau der Vorrichtung selbst oder bei der Befestigung von Anbauteilen am Werkstück. Wer hier die Kennzeichnung Schrauben richtig liest, kann:
- die passende Festigkeitsklasse für das geforderte Anziehdrehmoment auswählen,
- bei drehbaren und schwenkbaren SI-MON Vorrichtungen (z. B. dem M2C60 mit 360°-Drehung und 90°-Schwenkbereich) ausreichend dimensionierte Schrauben für dynamische Lasten einsetzen,
- bei feuerverzinkten oder beschichteten Bauteilen Versprödungsrisiken frühzeitig erkennen,
- im Reklamationsfall die Herkunft einer Schraube über das Herstellerzeichen klären.
Gerade bei der Fixierung schwererer Bauteile in SI-MON Vorrichtungen – etwa dem M1A50 mit 50 kg Tragkraft oder dem M1C60 – lohnt sich der Blick auf den Kopfaufdruck, bevor eine Verbindung unter Last gesetzt wird.
Praxistipp: Bewahren Sie bei sicherheitsrelevanten Verbindungen immer ein Muster oder Foto der Kopfprägung auf. So lässt sich die Kennzeichnung Schrauben auch nachträglich dokumentieren, wenn einzelne Schrauben später ausgetauscht oder nachbestellt werden müssen.
Häufig gestellte Fragen zur Kennzeichnung Schrauben
- Ab welcher Größe müssen Schrauben gekennzeichnet sein?
- Grundsätzlich ab einem Gewindedurchmesser von 5 mm, sofern die Kopfform genug Fläche für eine Prägung bietet. Kleinere Schrauben werden stattdessen über die Verpackung gekennzeichnet.
- Was bedeutet eine führende Null vor der Festigkeitsklasse?
- Sie zeigt an, dass die Schraube aufgrund ihrer Kopfgeometrie nicht die volle Festigkeit der angegebenen Klasse erreicht und mit reduziertem Anziehdrehmoment montiert werden muss.
- Muss jede Schraube ein Herstellerzeichen tragen?
- Ja, bei kennzeichnungspflichtigen Schrauben ist das Herstellerzeichen zusammen mit der Festigkeitsklasse vorgeschrieben, damit die Rückverfolgbarkeit sichergestellt ist.
- Gilt die gleiche Kennzeichnung für Edelstahlschrauben?
- Nein, Edelstahlschrauben werden nach ISO 3506-1 mit Kombinationen wie A2-70 oder A4-80 gekennzeichnet, die Werkstoffgruppe und Zugfestigkeit gemeinsam ausweisen.